Der Kamerawahn
Mir ist heute mal aufgefallen, wie krank doch die Politik und auch die Unternehmer sind. Grund dafür war ein Buch, welches ich bekommen habe. 1984 von George Orwell. Als ich angefangen hab es zu lesen, saß ich gerade in der Straßenbahn. Ich hab nach oben geschaut und sah eine Kamera. Ich stieg aus und ging was einkaufen. In dem Center waren vom Eingang bis zur Rolltreppe (vlt. 50m) ca. 5 Kameras. Im Media Markt ist es noch schlimmer. Dort sind bei uns schätzungsweise 20 bis 30 Kameras angebracht. Nun frag ich mich wozu?
Um mal auf das Bsp. Media Markt bei mir einzugehen. Es sind dort immer viele Kunden auch Personal hat Media Mark mehr als genug. Also im Grunde genommen ausreichend Augen dort in dem Laden. Wie die Führungsebene von MM wohl auch vermutet ordentlich Langfinger. Also nicht verwunderlich warum dort so viele Kameras sind. Oh doch, sehr verwunderlich finde ich! Es gibt genug Mitarbeiter, welche ein Auge auf die Produkte haben und Diebstahl melden können. Genauso wie dort immer ein Laden-Detektiv rum streunert. Früher gab es noch Zivilcourage. Heutzutage wird diese durch Kameras abgeschafft. Weil sich keiner mehr verantwortlich für die andren fühlt. Schlimm finde ich so was und auch die Betriebsführung muss stark gelitten haben, solch ein Misstrauen gegenüber seinen Mitarbeitern zu haben. Aber “zum Glück” ist ja der Media Markt kein Einzelfall.
Besonders die CDU ist in dem Bereich “Sicherheit” sehr weit vorne. Schon in ihrem Wahlprogramm[1] hat die CDU/CSU erläutert, wie sie die Sicherheit verschärfen möchten. Dabei ist mir auch das Interview mit CDU-Politiker Trapp[2] aufgefallen.
Ich gehe immer von der Unschuldsvermutung aus. Aber ich brauche Informationen über Personen, die den Staat verändern wollen. Denn ohne Sicherheit gibt es keine Freiheit. Ich kann mir doch nicht von einem Taliban vorschreiben lassen, was ich zu tun und zu lassen habe.
Benjamin Franklin hält dagegen!
Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.
Und nun schauen wir uns doch mal an, wie groß die Gefahr denn durch die Taliban ist. Natürlich kam dort vor kurzem EIN Thema zu Hauf in den Medien. Afghanistan und der Verteidigungsschlag auf den Tanklaster. Auch ziehen die Taliban Richtung Norden, wo die Deutschen ihre Stützpunkte haben. Auch gibt es zur baldigen Bundestagswahl einige Meldungen über einen Terroranschlag nach den Wahlen[3]. Jedoch habe ich vor solchen Terror-Warnungen wenig Angst. Natürlich gab es schon Versuche hier in Deutschland. Bsp Köln und der Anschlag im Hauptbahnhof[4] oder die Sauerlandgruppe[5]. Wobei der erste Anschlag nicht verhindert wurde. Es war unser Glück, dass der Zünder bei den Kofferbomben einen technischen Defekt hatte. Auch die Sauerlandgruppe wurde nicht durch Überwachungskameras, sondern durch V-Männer enttarnt. Überwachungskameras können keine Sicherheitskräfte ersetzen. Trotzdem möchte dies die Politik. “Eigentlich läuft alles ganz prima, aber trotzdem brauchen wir mehr Überwachung”[6] so die Meinung von Angela Merkel. Aber 2006 ist ja schon lange her und seit dem hat sich viel geändert. Ansonsten nehmen wir solche Meldungen wie die verstärkte Telefonüberwachung[7] einfach hin, oder auch die Vorratsdatenspeicherung. Dort hat der CCC, schon vor einiger Zeit, ein Dokument veröffentlicht, welches die Gefahren dieses Werkzeug zeigt[8]. Das BKA-Gesetz ist ebenfalls noch nicht vom Tisch. Im Frühjahr lebte dort ein Projekt gegen das BKA-Gesetz auf[9].
Aber nicht nur in der “realen” Welt hält die Überwachung Einzug. Auch im Netz der Netze ist, wie zu erwarten, dies ein Thema. So zum Beispiel sponsert die EU 11 Mio Euro für die Entwicklung eines Systems um Blogs, Foren, Social Networks und viele andere Medien des Web 2.0 automatisch zu durchsuchen und auszuwerten. Um, wie in dem Artikel[10] beschrieben “ungewöhnliches Verhalten” festzustellen. Echt grauenerregend diese Vorstellung. Natürlich wird im Internet nicht so schnell vergessen. Aber möchtet ihr, dass dort direkt nach euren auffälligen Äußerungen gesucht wird? Vielleicht von euch sogar ein Profil erstellt werden kann, welches EU weit eingesehen werden kann? Also, ich möchte das nicht. Da gibt es bei mir auch kein “eigentlich” und “wenn” und “aber”.
Was ich mich jedoch immer wieder frage. Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen. Dort gab es immer “Tratschweiber”, welche alles wussten. Es geht sogar noch schlimmer, wenn die Nachbarn wissen, wann man aus dem Haus gegangen ist und wann man wieder kam &&& So etwas stört einen, weil das ein Eindringen in die Privatsphäre ist. Aber wenn in Kaufhäusern und auf öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Gebäuden Überwacht wird, dann stört es einen nicht. Wie gesagt war ich heute kurz einkaufen. Nicht länger als eine halbe Stunde. Aber ich will nicht wissen, wie viele Videos es nun von mir gibt. Das entscheidende dabei ist auch noch, dass Kameras und Computer nicht so schnell vergessen. Diese Daten sind von euch gespeichert. So lange wie die Festplatte hält, oder so lange wie die Überwachungsorgane entscheiden diese Daten zu behalten! Dabei hilft auch nicht die Aussage, “Ich habe ja nichts zu verbergen.” Was ich einkaufe und wo ich es einkaufe, wo ich hin gehe und was ich dort mache, das ist alleine meine Sache. Solange ich natürlich strafrechtlich nicht auffalle. Ich muss nicht durch einen, wie Geoge Orwell ihn nennt, “Großen Bruder” beaufsichtigt werden. Wir können alleine Verantwortung übernehmen und sollten es auch!
Links
- Seþ[og.org » Wahlprogramm der CDU/CSU
- Kameras für eine freundliche U-Bahn
- Al-Qaida droht Deutschland in neuem Video
- So nah am Terroranschlag wie noch nie
- Angeklagter gibt Details der Terrorplanungen preis
- Merkel plädiert für mehr Überwachung trotz hoher Sicherheit
- Die Polizei hört immer öfter mit
- CCC: Vorratsdatenspeicherung bringt unkontrollierbare Überwachung
- “Projekt Verfassungsbeschwerde” gegen BKA-Gesetz vorgestellt
- EU-Projekt soll Techniken für Internetüberwachung entwickeln